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Best-Practise in Coronazeiten

Nischenstrategien bewähren sich gerade in Krisenzeiten

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie setzen viele Firmen massiv unter Druck, und keiner kann aktuell seriös vorhersagen, inwieweit sich diese Situation noch weiter zuspitzen wird. Viele steckten mitten in der Transformation und haben jetzt auch nochzusätzlich mit dem Konjunktureinbruch zu kämpfen. Dass der Einbruch nicht noch stärker ist, liegt auch an vielen innovativen KMU’s, vor allem den Hidden Champions, die aus verschiedenen Gründen bislang besser durch die Pandemie kommen als andere.

Da diese bereits in der Vergangenheit rechtzeitig die Weichen erfolgreich gestellt haben und dank eines zukunftsfähigen strategischen Geschäftsmodells auch jetzt trotz Corona durchstarten können. Zudem steuern viele auch aus ihrem Privatvermögen Eigenkapital ins Unternehmen.

An zahlreichen Beispielen sieht man, dass strategisch positioniertes Spezialistentum auch Krisen viel besser überstehen können.

Best Practise

Medizin-Spezialisten

So wie der Impfstoffentwickler Curevac als auch der Klimaschrank-Spezialist Binder, in dessen Ultratiefkühlschränken die sensibelsten Impfstoffe bei bis zu minus 80 Grad gelagert werden können, haben gerade in der Krise eine Sonderkonjunktur.

Leuze

Auch jenseits der Medizintechnik gibt es viele  Beispiele, wie etwa den Sensorhersteller Leuze. Vor wenigen Tagen hat das Familienunternehmen ein neues Distributionszentrum bei Kosten in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe bei einem Vorjahresumsatz von 222 Millionen Euro erstellt.

Das Erfolgsgeheimnis ist: „Wir haben immer in die Zukunft geschaut und waren immer bereit, neue Wege zu gehen, sonst gäbe es uns heute nicht mehr“. Ein Bruch ging voraus. Der damalige Textilmaschinenhersteller baute erstmals die ersten Sensoren für die eigenen Maschinen selbst und gründete Leuze Electronic. Ab 1963 fokussierte sich das Familienunternehmen auf den Bau optischer Sensoren. Während die Textilindustrie weitgehendst verschwunden ist, prosperiert die einstige Ausgründung als Schlüssellieferant für die vernetzte Industrie 4.0. Weltweit ist der Markt für Sensoren jährlich zweistellig gewachsen.

Leuze kann in seiner Nische die Pandemie bislang nur wenig anhaben, auch weil die schwächelnde Autoindustrie nicht Hauptkunde ist. Weil die deutsche Autoindustrie den Einbruch hatte, musste der größere Konkurrent Balluff Stellen abbauen. Das Leuze-Stammwerk hat seine Angestellten nicht einmal in Kurzarbeit schicken müssen und rechnet sogar mit einem leichten Umsatzplus in diesem schwierigen Jahr.

Also: sich frühzeitig von schwierigen Märkten trennen und in neu entstandene Märkte wie Internet der Dinge einsteigen, sich mit seinen Stärken auf ein Marktsegment fokussieren und unabhängig von einer einzigen regionalen Industrie sein, das sind die Erfolgsparameter von Lenze. Dies macht deutlich, dass man gerade in einer Nischenstrategie auch bei Krisen erfolgreich sein kann.

Weru:

Fensterhersteller Weru half der Bauboom und die Treue zur Heimat. Seit 2013 gehört das Unternehmen der Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Europe. Weru kommt aus der Verlustzone. Es geht aufwärts. Im ersten Halbjahr 2020 wurden die Planungen trotz Corona übertroffen. „Zwischenzeitlich rechneten wir mit einem zweistelligen negativen Ergebnis, doch jetzt liegen wir mehrere Prozente bei Umsatz und Ergebnis besser als im Vorjahr“, sagt der Weru-Manager.

2019 schaffte Weru bei 160 Millionen Euro Umsatz die Rückkehr in die Gewinnzone. Das Krisenrezept klingt einfach: Konzentration auf das Kerngeschäft. Bei der Pandemie kam ihm zudem die Tradition zugute. Weru fertigt nur in Deutschland. „Wir blieben von Lieferengpässen verschont“, betont der Manager.

Zudem hat Weru zehn Millionen Euro in eine hochmoderne Isolierglasfertigung am zweiten Standort im thüringischen Triptis und die neue Pulverbeschichtungsanlage in Rudersberg investiert. Die Planzahlen sind optimistisch.

Auch hier wieder: konsequente Konzentration auf das Kerngeschäft bringt den Erfolg

Bechtle

Corona ist der Brandbeschleuniger für Digitalisierung und bringt der IT-Industrie einen massiven Schub. Vom Trend zum Homeoffice profitierte der IT-Dienstleister Bechtle. Ausserdem fragten öffentliche Auftraggeber mehr IT-Infrastruktur und -dienstleistungen nach. Ein Großauftrag des Landes Niedersachsen half zudem. Bechtle erwartet, dass trotz oder gerade wegen Corona der Umsatz und das Ergebnis im Gesamtjahr um mindestens fünf Prozent zulegen wird.

Die im MDax notierte Aktie hat ihren Wert seit dem allgemeinen Börsentief im März verdoppelt. Das Unternehmen mit einem Umsatz von 5,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zählt mit einer Börsenkapitalisierung von 7,4 Milliarden Euro zu den 50 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Größter Aktionär ist die Gründerfamilie Schick mit 35 Prozent.

fazit: Erfolgsfaktor des Hidden Champions Bechtle ist die Fokussierung auf die Stärken und konsequente Ausrichtung auf das Zielgruppensegment.

GFT

Robust zeigte sich der auf Software für die Finanzbranche und inzwischen auch auf Industrie spezialisierte Technologiekonzern GFT. Corona zwang zwar auch das Stuttgarter KMU 6000 seiner Beschäftigten ins Homeoffice zu schicken – aber für Softwareentwickler ist das nicht eine so große Umstellung. Die dafür notwendigen Systeme zur Qualitätssicherung und ein effizientes Projektmanagement hatte GFT dafür schon vor der Pandemie.

Die GFT SE, bei dem die Familie des Gründers Dietz der größte Aktionär ist, konnte den Umsatz in den ersten sechs Monaten um fünf Prozent auf 221 Millionen Euro steigern.

Was können wir daraus lernen: Spezialisierung und frühzeitige strategische Anpassung an moderne Techniken bringen Erfolg auch in Coronazeiten.

Dürr

Selbst innerhalb einer Branche gibt es drastische Unterschiede. Während der Anlagenbauer Eisenmann in Insolvenz ging, ist der Erzkonkurrent Dürr von der Coronakrise längst nicht so stark betroffen, wie man das nach dem wochenlangen Shutdown der Autoindustrie hätte vermuten können.

Bei Lackieranlagen für die Autoindustrie hat Weltmarktführer Dürr aus Bietigheim inzwischen im Topsegment kaum noch Konkurrenz. Konzernchef Ralf Dieter hatte schon vor Jahren auf China gesetzt. Diese Strategie zahlt sich aus. Im ersten Halbjahr kamen 60 Prozent mehr Aufträge als im Vorjahreszeitraum aus China, vor allem von Elektroautobauern. Das Auftragsvolumen verbesserte sich, trotz Krise, von 3,1 auf 3,4 Milliarden Euro.

Man sieht also, die Strategie, sich neue Märkte in seinem Kernkompetenzbereich zu erobern, zählt mit zu den Überlebensstrategien. Dürr hat zudem seine Kompetenzen auf Beschichtung von Elektroden für Lithium-Ionen-Batterien ausgeweitet. Diese strategische Anpassung eröffnet neue Chancen.

 

Wie all diese Beispiele deutlich beweisen, ist Innovationsgeist und Mut zur Veränderung auch der Garant dafür, dass man erfolgreich durch eine Krise kommen kann. Eine Nischenstrategie mit Fokussierung auf seine Kernkompetenz ist der massgebende Erfolgsfaktor auch in Krisenzeiten.

Viel Erfolg

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